Tagung - Samstag, 9. September 2006

„Papiere für alle!“
Kampagnen und Initiativen gegen Illegalisierung
Zwischenbilanz und Perspektiven für Papierlose und UnterstützerInnen

Evangelische Akademie Iserlohn
in Kooperation mit dem Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW und kein mensch ist illegal NRW

Sommer 2006: Im Nachbarland Belgien haben Hunderte Papierlose mehr als vierzig Kirchen besetzt. Die Bischöfe unterstützen sie in ihrer Forderung nach Legalisierung. Die Situation der Papierlosen sei ein „humanitäres Drama“, dem sich niemand entziehen könne, urteilt die katholische Bischofskonferenz. Und selbst der Vatikan erklärt sich mit den belgischen „Illegalen“ solidarisch. Die „Union zur Verteidigung der Papierlosen“ organisiert Großdemonstrationen und fordert von der konservativ-liberalen Regierung „Papiere für alle“. Das Vorbild kam aus Frankreich: Im Frühling 1996 besetzten Sans Papiers die Kirche von Saint Bernard und gründeten damit eine Bewegung der Illegalisierten. Die Legalisierung aller Papierlosen in Frankreich vermochten sie nicht zu erreichen.
Und in Deutschland? Nach dem Wanderkirchenasyl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000, bei dem in schwierigen „Einzelfalllösungen“ immerhin vierhundert papierlose kurdische Flüchtlinge einen Aufenthalt erreichten, sind sie still geworden, die Papierlosen. Höflich klopfen einige wenige an die Türen der Kirchengemeinden und lassen sich zumeist mit der Telefonnummer einer Beratungsstelle vertrösten.
Keine Chance auf Papiere, auf ein ganz normales Leben in Deutschland bekommen sie dort zu hören. Nein: als „Illegaler“ ist der Weg zur Härtefallkommission versperrt. Nein: es nutzt ihnen nichts, dass ihre Kinder hier geboren sind. Nein: diesem Staat ist es gleichgültig, ob sie bei einer Rückkehr in ihr Herkunftsland eine notwendige medizinische Therapie erhalten.
Kaum eine Legalisierung im Einzelfall ist möglich. „Papiere für alle“ eine Fantasterei?
Die Bemühungen für eine Legalisierung, die Öffentlichkeitsarbeit der Papierlosen, der Kirchen sowie der Unter-stützer, die Einzelfallhilfe, das antirassistische, bürgerschaftliche und kirchliche Engagement haben dennoch etwas erreicht:
Im Sommer 2006 setzt sich der Deutsche Bundestag mit Gesetzesentwürfen von Grünen und Linkspartei zur „Verbesserung der sozialen Lage von Ausländerinnen und Ausländern ohne Aufenthaltsstatus“ auseinander. Papierlose sollen danach ihren Lohn einklagen können, eine medizinische Grundversorgung erhalten und ihre Kinder endlich das Recht auf Schulbildung bekommen.
Immer mehr Medien berichten über das Leben Papierloser, ohne sie zu kriminalisieren. Nicht wenige Mediziner sind bereit, zu helfen, einige Schulen nehmen illegalisierte Schüler auf, und das humanitäre Engagement für Papierlose bleibt trotz Strafandrohung in der Regel straffrei.
Wir laden Sie ein, eine Zwischenbilanz des Engagements von / mit / für Papierlose zu ziehen und gemeinsam mit zahlreichen Initiativen Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Es laden Sie herzlich ein:
Katharina von Bremen, Evangelische Akademie Iserlohn
Gabriele Spieker, Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW
Jan Henkel, Kölner Netzwerk kein mensch ist illegal

bis 9.30 Uhr : Anreise, Stehkaffee/ -tee
10.00 Uhr : Begrüßung und Einführung

    * Katharina von Bremen, Ev. Akademie Iserlohn
    * Gabriele Spieker, Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW
10.15 Uhr : SELBSTORGANISATION VON ILLEGALISIERTEN IN EUROPA
    In Belgien und Frankreich nehmen die Sans Papiers den Kampf um ihre Rechte und Legalisierung in die eigene Hand. Roland Fodé von den Sans Papiers in Lille und Ali Guissé von der Union pour la Défense des Sans-Papiers in Brüssel berichten.
11.15 Uhr : Pause
11.30 Uhr : KAMPAGNEN GEGEN ILLEGALISIERUNG IN DEUTSCHLAND
    * Die Rechtsanwältin Gisela Seidler bilanziert den Aufruf an die Zivilgesellschaft zur Solidarität mit Illegalisierten von „kein mensch ist illegal“.
    * In Filmsequenzen wird das Wanderkirchenasyl in NRW vorgestellt.
    * Die Pfarrerin Fanny Dethloff (Asyl in der Kirche) informiert über den Einsatz der Evangelischen Kirche für Illegalisierte.
    * Der Arzt Knut Rauchfuss (Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum) stellt die gesetzliche Initiative „Papiere jetzt! – Gleiche Rechte für Alle“ vor.
    * Isabell Zwania (Deutscher Caritasverband) berichtet über die Lobbyarbeit des katholischen Forums Illegalität.
13.00 Uhr : Mittagessen
14.00 – 17:30 Uhr : (dazwischen Kaffee / Tee)
Diskussion über Ziele und Strategien mit Illegalisierten, Flüchtlingen und UnterstützerInnen
Inputs:
    * der Berliner Plataforma (Iris Rajanayagam),
    * der Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten (Eylem Diyar),
    * der Bonner Bürgerinitiative für die Rechte und Würde der Menschen ohne Papiere (Patricio)
    * und den ReferentInnen des Vormittags
    Moderation: Albrecht Kieser, Köln
17.30 Uhr : Ende der Veranstaltung und Abreise


Tagung 83

Tagungsleitung:
Katharina von Bremen, Evangelische Akademie Iserlohn
Gabriele Spieker, Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche NRW

Tagungssekretariat:
Ingrid Rost, Tel: 02371 / 352-141, Fax: 02371 / 352-130
email: i.rost@kircheundgesellschaft.de

Tagungsort:
Ev. Tagungsstätte Haus Ortlohn, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn,
Tel. 02371/352-0, Fax 02371/352-299
Anfahrtskizze

Tagungskosten:
Euro 25,00 (ermäßigt: 12,50)
Wir bitten, die Tagungskosten bei Ankunft zu begleichen. Sie können mit EC-Karte und Geheimzahl bezahlen.
Die ermäßigten Preise gelten für SozialhilfeempfängerInnen, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende sowie für SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildende bis zum Alter von 35 Jahren. Eine Ermäßigung kann nur bei Teilnahme an der gesamten Tagung gegen Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung gewährt werden.

Anmeldung:
Bitte melden Sie sich frühzeitig an. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung mit Anfahrtsbeschreibung. Ihre Anmeldung bindet auch Sie. Wenn Sie sich später als 1 Woche vor Tagungsbeginn abmelden, müssen wir eine Ausfallgebühr in Höhe von 50% der Kosten berechnen. Wenn Sie sich erst am Tag des Tagungsbeginns oder später abmelden, werden Ihnen die vollen Kosten in Rechnung gestellt.
Vormittags sind alle Sekretariate erreichbar. Einige Büros sind nachmittags nicht mehr besetzt. Sie können in diesem Fall die Nummer 02371/352-141 anrufen. Außerhalb der üblichen Bürozeiten sind die Büros nicht besetzt.
Anmeldeformular

 

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