Wanderkirchenasyl

 

Wanderkirchenasyl / Chronologie Stand 2.6.01

 

21.01.98

21 ausreisepflichtige kurdische Flüchtlinge beginnen in der Kölner Antoniterkirche eine "Protestaktion gegen Abschiebungen in den Folterstaat Türkei" und für ihr Bleiberecht. In den kommenden Wochen steigt die Zahl der beteiligten Flüchtlinge kontinuierlich an. Weitere Kölner Kirchengemeinden nehmen ihrerseits Flüchtlinge auf, "weil ihnen im Falle einer Abschiebung Gefahr an Leib und Leben droht". Zentales Thema der Flüchtlinge ist die Menschenrechtssituation in der Türkei.

Fotoausstellung
"die Früchte des Baumes - kurdische Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl"
arbeiterfotografie
Gruppe Köln

14.02.98

Demonstration von 1.200 Menschen zur Unterstützung der Protestaktion in Köln. U.a. berichtet die "Tagesschau" in der Hauptausgabe ausführlich.

 

07.03.98

Aufbruch der ersten Karawane ins "Wanderkirchensasyl" nach Düren, Demonstration in der Dürener Innenstadt

 

10.03.98

Verhaftung von Süleyman Yadirgi, sechs Tage später wird er trotz zahlreicher öffentlicher Proteste in die Türkei abgeschoben, dort verhaftet und misshandelt. Die verhörenden Beamten interessiert v.a. das Wanderkirchenasyl. Im Mai gelingt ihm erneut die Flucht nach Deutschland. Beim Versuch, einen Asylfolgeantrag zu stellen, wird er auf Betreiben der Ausländerbehörde des Erftkreises erneut in Abschiebehaft genommen. Daraufhin ketten sich am 28.5. eine größere Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrern aus Protest vor der Kölner Außenstelle des Bundesamtes an. Durch einen Eilantrag erhält er schließlich wieder die Freiheit.

 

20.03.98

Newroz-Feier des Wanderkirchenasyls in der evangelischen Gemeinde zu Düren. Es sprechen Vertreter der Flüchtlinge und des örtlichen kurdischen Vereins.

 

21.03.98

Weiterreise der ersten Karawane im "Wanderkirchensasyl" nach Aachen. In der Aachener Gemeinde findet unter großer Medienpräsenz eine Veranstaltung statt in auch die kurdischen Flüchtlinge ihre Fluchtgründe darstellen. Anwesenheit zahlreicher Medien, darunter ein Kamerateam des WDR Aachen.

 

24.04.98

Schiffahrt der "Illegalisierten" nach Düsseldorf, Demonstration zum Innenministerium, Gespräche von Delegationen der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl, Pfarrern und Mitgliedern von "kein mensch ist illegal" mit Vertretern des Innenministeriums und aller Fraktionen des Landtages. Sieben Kamerateams (unter anderem Med-TV) und zahlreiche Hörfunk- und Zeitungsjournalisten (auch türkische Reporter z.B. von Cumhürriyet) begleiten diesen Protest. Die Reporter erhalten alle eine ausführliche Pressemappe, die auch jene Dokumente enthält, die das Innenministerium in Düsseldorf überreicht bekommt. Darin befinden sich auch alle Namen und Herkunftsorte der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl.

 

25.04.98

Aufbruch der zweiten Gruppe im "Wanderkirchensasyl" nach Bielefeld, öffentlicher Auftritt von über 100 Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl beim Landesparteitag der Grünen in Gütersloh.

 

01.05.98

Illegalisierte kurdische Flüchtlinge treten öffentlich bei den Mai-Demonstrationen des DGB in Köln, Aachen, Bochum und Bielefeld auf.

 

23.05.98

Eine Gruppe kurdischer Flüchtlinge zieht von Köln aus in die Landeshaupstadt Düsseldorf und tritt dort in den kommenden Wochen bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich auf.

 

30.05.98

Erste Beteiligung des Wanderkirchenasyls an den monatlich stattfindenden Mahnwachen zur Unterstützung der Istanbuler "Samstagsmütter", von da an regelmäßig an jedem letzten Samstag im Monat auf der Kölner Domplatte. An diesen Aktionen, die bis heute andauern, werden von zwischen 50 und 100 Teilnehmern Fotos von "Ver-schwundenen" und Spruchbänder hochgehalten, Flugblätter verteilt und Reden auf deutsch, türkisch und kurdisch gehalten. Organisiert werden die Mahnwachen von einem Komitee, in dem u.a. die Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Deutschland (AGIF), das Kulturzentrum "Toplum" (TKM), der Mesopotami-sche Kulturverein und das kurdische Zentrum für eine alternative Tagesordnung (Alternatif Toplum Merkezi, ATM) beteiligt sind.

 

07.06.98

Hearing zur Lage der Menschenrechte in der Türkei und des Asylrechts in Deutschland in der Düsseldorfer Johanneskirche; Referentin ist u.a. die international bekannte türkische Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Eren Keskin. Veranstalter sind gut 2/3 aller Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland und die katholischen Regionaldekanate Aachen, Düren und Mönchengladbach, unterstützt von "kein mensch ist illegal". In der abschließend von den rund 600 Teilnehmern verabschiedeten "Düsseldorfer Erklärung" wird die Praxis des deutschen Asylrechts kritisiert, die systemati-schen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei benannt und die Behauptung einer inländischen Fluchtalternative für Kurden im Westen der Türkei bestritten.

 

08.-15.06.98

Hungerstreik der Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl in der Kölner Antoniterkirche  

13.06.98

Demonstration des Wanderkirchenasyls in Düsseldorf für einen Abschiebestopp in die Türkei mit 1.200 Teilnehmern.

 

21.06.98

große Benefiz-Gala u.a. mit Eugen Drewermann und Hans-Dieter Hüsch zur Unterstützung der Kampagne in der Kölner Trinitatis-Kirche

 

19.08.98

Ganztägige Protestaktion vor der Landeszentrale der SPD in Düsseldorf. Eine Delegation unter Beteiligung zahlreicher Flüchtlinge führt ein längeres Gespräch mit dem Geschäftsführer der Partei.

 

26.08.98

Nach der Verhaftung von Fatma Muratdag, einer Teilnehmerin des Wanderkirchenasyls, am 20.8., demonstrieren mehr als 400 Flüchtlinge und Unterstützer in der Neusser Innenstadt und vor dem dortigen Frauenabschiebegefängnis für ihre Freilassung. In den Redebeiträgen der kurdischen Frauen wird neben der Forderung nach Freiheit für Frau Muratdag v.a. das Schicksal von Angehörigen thematisiert, die in der Türkei "verschwunden gelassen" wurden.

 

09.-11.09.98

In der türkischen Tageszeitung Ülkede Gündem erscheint eine dreitägige ausführliche Serie über das Wanderkirchenasyl.

 

11.-18.09.98

Von Hanau über Frankfurt, Bonn, Duisburg, Oberhausen und Bottrop beteiligt sich eine Gruppe der Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl an der bundesweiten "Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten"

 

19.09.98

Abschlußdemonstration der "Karawane" in Köln

 

27.09.98

"Zur Wahl: Menschenrechte" - von "kein mensch ist illegal" organisierte Matinee im Kölner Schauspielhaus

 

21.10.98

Verhaftung von Halil Ray, kurdischer Flüchtling im Wanderkirchenasyl

 

22.10.98

Rund 100 Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl und Unterstützer statten der Bonner Vertretung des UNHCR einen öffentlichen Besuch ab und fordern den Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks zur Unterstützung ihrer Forderung nach Anerkennung als Kriegsflüchtlinge auf. Anschließend besuchen sie spontan die Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Im Gespräch mit dem Bundesgeschäftsführer fordern sie die Partei auf, für die Freilassung von Halil Ray und für eine Legalisierung der Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl aktiv zu werden. Daraufhin wird eine Delegation für den nächsten Tag zum Bundesparteitag eingeladen.

 

23.10.98

Öffentlicher Auftritt kurdischer Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl beim Bundesparteitag der Grünen in Bonn gegen den Krieg in Kurdistan, für einen Abschiebestop in die Türkei und die Freilassung von Halil Ray aus der Abschiebehaft. Anwesend sind Vertreter nahezu aller in- und ausländischen Medien. In der türkischen Tageszeitung Hürriyet vom 25.10. wird die Gruppe als PKK-Anhänger bezeichnet.

 

05.-09.11.98

Öffentlicher Besuch einer Gruppe von Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl in Stuttgart auf Einladung der Gewerkschaften HBV und IG Medien; auf Druck des baden-württembergischen Innenministeriums vorzeitig abgebrochen.

 

18.-25.11.98

Rundreise des stellvertr. Generalsekretärs des IHD Nazmi Gür auf Einladung des Wanderkirchenasyls, u.a. gemeinsame Veranstaltung mit Frank Baranowski (MdL SPD) und Kathrin Gruber (MdL Grüne) am 19.11. in der Kölner Antoniterkirche und Empfang im Auswärtigen Amt am 20.11.

 

20.11.98

Unterstützer der Flüchtlinge demonstrieren vor der Bonner SPD-Zentrale; politischer Gottesdienst des Wanderkirchenasyls in der Bonner Kreuzkirche. In Anwesenheit von Pressefotografen wird ein 26 Meter langes Transparent mit den Forderungen und Wünschen und den Namen aller am Wanderkirchenasyl beteiligten Flüchtlinge in die Kirche getragen.

 

22.11.98

30 kurdische Flüchtlinge "besetzen" die Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen und schließen sich dem Wanderkirchenasyl an. An der Kirche werden zwei Transparente aufgehängt, darunter eines mit der Aufschrift "Stoppt die blutigen Hände der Folterer - keine Abschiebungen in die Türkei!"

 

12.12.98

Demonstration in Düsseldorf und Kundgebung vor dem türkischen Generalkonsulat gegen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei und Abschiebungen. Viele Teilnehmertragen selbstgefertigte Hemden und Fahnen mit dem Symbol der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans ERNK und Bilder von Abdullah Öcalan. Auch das Transparent mit den Namen aller Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl wird mitgetragen und gegenüber dem Generalkonsulat aufgehängt. Während der Kundgebung werden alle Teilnehmer von der hauseigenen Überwachungskamera des Konsulats gefilmt.

 

09.01.99

Mitglieder von "kein mensch ist illegal" und der türkisch-kurdischen Menschenrechtsorganisation TÜDAY demonstrieren vor der Kölner Vertretung von Hürriyet für eine tatsachenorientierte Berichterstattung in türkischen Medien (Öcalan, Menschenrechtsverletzungen).

 

11.01.99

Pfarrer protestieren vor dem Landesinnenministerium und mit einer Mahnwache in Dortmund gegen die Abschiebung von zwei verhafteten Teilnehmern des Wanderkirchenasyls, Hasan Ay und Mustafa Tayfun. Kurdische Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl besetzen die Landesgeschäftsstelle der Grünen in Düsseldorf und treten in einen unbefristeten Hungerstreik, Go-In bei der Landesgeschäftsstelle der SPD. Sie fordern zunächst die Freilassung von Hasan Ay und Mustafa Tayfun, danach eine Legalisierung aller Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl.

 

16.01.99

Demonstration des Wanderkirchenasyls in Wuppertal.

 

22.01.99

Die Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl vereinbaren als Ergebnis von Verhandlungen mit dem NRW-Innenministerium das Ende des Hungerstreiks und der Besetzung der Landesgeschäftsstelle der Grünen gegen die Zusicherung einer erneuten, "wohlwollenden" Prüfung der Einzelfälle der Flüchtlinge aus NRW.

 

23.01.99

Zum ersten Jahrestag des Beginns des Wanderkirchenasyls Demonstration in der Kölner Innenstadt und Großveranstaltung in der Kölner Antoniterkirche, u.a. mit den kurdischen Exilpolitikern Mehdi Zana und Dr.Rodi Demir Kapi, Andreas Buro (Dialogkreis Türkei-Kurdistan) und Andrea Nahles (SPD, Jusos).

 


24.01.99

72 kurdische Flüchtlinge "besetzen" zwei Kirchen in Oberhausen und schließen sich dem Wanderkirchenasyl an. 


15.02.99

Entführung von PKK-Generalsekretär Öcalan in die Türkei 


25.02.99

Die evangelische Gemeinde zu Düren fordert in einem offenen Brief die Freiheit von PKK-Generalsekretär Öcalan. Mahnwache von Gemeindemitgliedern und kurdischen Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl. 


27.02.99

Bei der nach der Mahnwache des Samstagsmütter-Komitees auf der Kölner Domplatte spricht ein Vertreter der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl über das Schicksal und die Bedeutung des PKK-Generalsekretärs für die Kurden. 


06.03.99

Mahnwachen und Unterschriftensammlung des Wanderkirchenasyls für die Rechte der Kurden, eine internationale Konferenz zur politischen Lösung des kurdischen Pro-blems und die Freilassung von PKK-Generalsekretär Abdullah Öcalan in der Kölner und Aachener Innenstadt. 


05.04.99

Flüchtlinge aus dem Wanderkirchenasyl beteiligen sich öffentlich an der Ostermarsch-Demonstration in Köln. In einem Flugblatt weisen sie auf die Situation und die Fluchtgründe kurdischer Flüchtlinge hin. 


17.04.99

An der Bonner Großdemonstration "Frieden für Kurdistan - Demokratie in der Türkei" beteiligt sich ein starker Block von mehr als 300 kurdischen Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl und Unterstützern. 


01.05.99

Beteiligung kurdischer Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl an der 1.Mai-Demonstration des DGB in Köln.  


Mai 99

Die Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl setzen sich aktiv mit ihren Möglichkeiten für eine Lösung in Kurdistan ein. Ein Plakat wurde herausgegeben mit ihren Forderungen: "Frieden und Menschenrechte für Kurdistan und die Türkei! Bleiberecht für alle!" Dieses Plakat wurde von allen Flüchtlingen namentlich unterzeichnet und seitdem in hoher Auflage zur Mobilisierung zu verschiedenen Anlässen verklebt und verbreitet u.a. durch die bundesweite Kampagne "kein mensch ist illegal".  


17.05.99

Bei der Veranstaltung "Gute Flüchtlinge - schlechte Flüchtlinge" im Rahmen einer Reihe von Veranstaltungen von "kein mensch ist illegal" Köln gegen den Krieg in Jugoslawien sprechen Vertreter der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl über ihre Lage und ihren Kampf. 


21.05.99

"Aachener Appell" des Wanderkirchenasyls gemeinsam mit zahlreichen Unterstützern für den Stop der Waffenlieferungen an die Türkei, einen Waffenstillstand zwischen türkischer Regierung und PKK sowie eine internationale Konferenz zur politischen Lösung des kurdischen Problems. Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger des Aacherner Friedenspreises. Das Wanderkirchenasyl erhält den Preis.  


27.05.99

Ökumenischer Friedensgottesdienst des Wanderkirchenasyls in der evangelischen Gemeinde zu Düren für Frieden in Kurdistan und Freiheit für Abdullah Öcalan 


12.06.99

Beteiligung der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl an der bundesweiten Demonstration gegen das Frauenabschiebegefängnis in Neuss 


17.06.99

Auftritt der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl beim "Alternativen Weltwirtschaftsgipfel" in der VHS Köln. Sie berichten im Rahmen des Forums Flucht und Mi-gration über die Lage in Kurdistan und den Kampf der kurdischen Flüchtlinge im Wan-derkirchenasyl für ihre Anerkennung als Kriegsflüchtlinge. 


19.06.99

Demonstration gegen den Weltwirtschaftsgipfel in Köln. Eine große Gruppe von Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl, der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und Mitgliedern von "kein mensch ist illegal" geht an der Spitze der De-monstration. Von den 10 000 Demonstranten sind etwa 5000 Kurden, die damit die Demonstration stark prägen. Sie fordern - u.a im ersten Redebeitrag der Auftaktkundgebung - die sofortige Freilassung von Öcalan. 


01.07.99

Erol Ispir, Mitglied des türkisch-kurdischen Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Deutschland (AGIF) wird im AGIF-Lokal in Köln-Kalk mutmaßlich von türkischen Rechtsextremen ermordet. Kurdische Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl beteiligen sich am 3.7. an einem Trauer- und Protestmarsch.  


28.08.99

Samstagsmütteraktion auf der Kölner Domplatte. Ein Vertreter der kurdischen Flücht-linge im Wanderkirchenasyl hält einen Redebeitrag über die Verurteilung von Öcalan zum Tode und die Folgen der Erdbebenkatastrophe für Kurden in der Westtürkei.  


01.09.99

Das Wanderkirchenasyl erhält den Aachener Friedenspreis. An der damit verbundenen Demonstration des DGB durch die Aachener Innenstadt unter der Hauptforderung eines Stopps der Abschiebungen und Rüstungslieferungen in die Türkei nehmen na-hezu alle Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl teil, u.a. mit der Forderung nach Freiheit für Sevki Akgöl (inhaftierter Teilnehmer des Wanderkirchenasyls) teil. Zahlreiche Medien berichten, u.a. der kurdische Fernsehsender Medya.

http://www.aachener-friedenspreis.de/preistraeger/archiv/jahr-1999.html

 


18.09.99

Eine große Gruppe von Flüchtlingen im Wanderkirchenasyl beteiligt sich im Rahmen der von "Aktion Courage - SOS Rassismus" organisierten dreiwöchigen Schiffstour von Bonn nach Duisburg am "Tag der offenen Luken" in Köln. In Diskussionen mit den hauptsächlich jugendlichen Teilnehmern und Besuchern berichten sie über die Lage in Kurdistan und den Kampf der kurdischen Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl für ihre Anerkennung als Kriegsflüchtlinge. 


27.10.99

Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl beteiligen sich gemeinsam mit der Kampagne kein mensch ist illegal an der Kölner Kundgebung im Rahmen der von der Informationstelle Kurdistan und Yek-Kom organisierten bundesweiten Bustour gegen das PKK-Verbot und für die Freiheit von Abdullah Öcalan. 


19.11.99

Rund 200 Flüchtlinge und UnterstützerInnen protestieren mit einer Demonstration durch die Düsseldorfer Innenstadt und einer Kundgebung vor dem Innenministerium gegen den geplanten Verkauf von 1.000 Leopard-Panzern an die Türkei und die Drohungen der Landesregierung gegen das Wanderkirchenasyl. 


14.12.99

In einer Presseerklärung weist die Kampagne "kein mensch ist illegal" auf die massive Gefährdung der TeilnehmerInnen am Wanderkirchenasyl durch den kurdischen Überläufer Vedat Yilmaz hin, der vor dem Staatssicherheitsgericht Diyarbakir am 20.10.99, unter Anklage der Mitgliedschaft in der PKK, umfangreiche Aussagen gemacht hat, in denen er u.a. das Wanderkirchenasyl als von der PKK inszenierte und gesteuerte Aktion denunziert.  


05.01.00

Yusuf Demir, Flüchtling im Wanderkirchenasyl, wird in Dortmund verhaftet und nur sechs Tage später am 11.1. trotz massiver Proteste gewaltsam in die Türkei abgeschoben. Am Istanbuler Flughafen verhaftet, wird er drei Tage lang geschlagen und verhört, u.a. über seine Beteiligung am Wanderkirchenasyl. Mitte Februar wird er in Izmir erneut verhaftet und unter Misshandlungen verhört, wenige Tage später auf offener Straße von Polizisten zusammengeschlagen und schwer verletzt.

 

21.01.00

Vor dem Düsseldorfer Landtag protestieren am 2. Jahrestag des Beginns des Wanderkirchenasyls Mitglieder von Kirchengemeinden und Kampagne unter dem Motto "Deutsche Asylpolitik geht uber Leichen" mit einem Menschenteppich gegen die NRW-Abschiebepolitik.

 

22.01.00

Unter dem Motto "Warm anziehen in kalten Zeiten - und viel bewegen" demonstrieren in Düsseldorf rund 400 Menschen mit Beginn des 3. Jahres Wanderkirchenasyl gegen die fortdauernd unerträgliche deutsch Asyl- und Türkeipolitik der Bundesrepublik. Zum Auftakt in der Friedenskirche in Düsseldorf sprechen VertreterInnen der kurdischen Flüchtlinge, der Kirchengemeinden und der Kampagne "kein mensch ist illegal". Vor dem Polizeipräsidium wird der dort im GeStaPo-Keller Gefolterten gedacht und an die daraus abgeleiteten Ursprunge des Artikels 16 GG erinnert. Dem gegenuber steht die aktuelle Asylrechtspraxis, die Pfarrer Rolf Heinrich vor der NRW-SPD-Parteizentrale kritisiert. Auf der Königsalle verbindet G. Dieffenbach fur den Aachener Friedenspreis die Kritik der deutschen Innen- und Türkeipolitik. Im Vorbeizug am Innenministerium wird auf den Hungerstreik von Ilhan Yelkuvan, Gefangener aus der DHKP-C, gegen seine Totalisolation und sonstige Haftsituation in Hamburg hingewiesen. Die Bielelefelder Gruppe der Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl erklärt ihren Protest gegen die Abschiebung von Yusuf Demir, Flüchtling aus dem Bielefelder Wanderkirchenasyl.
weiter

 

04.02.00

Auf einer Veranstaltung in Köln diskutieren rund 100 TeilnehmerInnen Bilanz und Perspektiven von zwei Jahren Wanderkirchenasyl.  


13.03.00

In Euskirchen wird die Familie Bag verhaftet. Trotz Protesten u.a. von Landtagsabgeordneten von SPD und Grünen werden der Familienvater und die 17 und 19 Jahre alten Kinder bereits am nächsten Tag in die Türkei abgeschoben. Allein Fatma Bag, eine der prominentesten Sprecherinnen der Flüchtlinge kann im letzten Moment aufgrund einer Eilentscheidung des VG Aachen das Flugzeug wieder verlassen.

 

17.03.00

Vor und in der Kreisverwaltung Euskirchen protestieren rund 50 Mitglieder von "kein mensch ist illegal" gegen das skandalöse Vorgehen der Ausländerbehörde im Fall der Familie Bag und zahlreichen anderen Fällen. So hatte die Behörde einen offenen Antrag beim Petitionsausschuss des Landtages missachtet und der Presse gegenüber vollkommen unzutreffende Angaben über die Umstände der Abschiebung von Familie Bag gemacht. Sie fordern die Absetzung des Leiters der Ausländerbehörde, Herrn W.Wolff.

 

01.04.00

Zahlreiche Flüchtlinge beteiligen sich an einem Kreuzweg unter dem Motto "Menschen auf der Flucht - Eine Reise wie keine andere". Mit der Prozession durch die Düsseldorfer Inenstadt weist ein Bündnis von Organisationen der Flüchtlings- und Asylarbeit auf die unhaltbare Situation des Asylrechts in Deutschland hin.

 

03.04.00

Parallel zum Türkei-Besuch von Bundespräsident Rau protestieren Flüchtlinge im Wanderkirchenasyl und UnterstützerInnen, u.a. Peter Gingold, Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz und Sprecher des internationalen Auschwitz-Komitees, vor dem Kasseler Werk der Krauss-Maffei-Tochterfirma Wegmann gegen die Lieferung deutscher Leopard 2-Panzer an die türkische Armee. Unter der Parole "Wir sind hier, weil ihr unser Land zerstört" fordern sie erneut, endlich als Kriegsflüchtlinge anerkannt zu werden. weiter

 

28.04.-01.05.00

Auf Einladung des Wanderkirchenasyls referiert die Anwältin Eren Keskin, stellvertretende Vorsitzende des türkischen Menschenrechtsvereins IHD, auf Veranstaltungen u.a. in Bielefeld, Wuppertal, Oberhausen und Bochum über die nach wie vor ernste Menschenrechtslage in der Türkei: "Folter wird als Vernehmungsform nach wie vor angewendet". An der Praxis, die Organisationsfreiheit etwa von Arbeitnehmern und die Meinungsfreiheit einzuschränken, habe sich nichts geändert. Der Ausnahmezustand in den Kurden-Provinzen - quasi Kriegsrecht - müsse aufgehoben, die Staatssicherheitsgerichte, die Todesstrafe und "alle Hindernisse gegen freie Meinungsäußerung" abgeschafft werden. Alle Minderheiten müssten Freiheitsrechte erhalten. "Kein antidemokratischer Staat ändert sich automatisch".

 Ende Juli 2000

Süleyman Yadirgi wird endgültig als asylberechtigt nach Artikel 16 GG anerkannt, seine Familie erhält das sogenannte "kleine Asyl". (vergleiche 10.3.98)

 

16.08.00

Mehmet Sagir, Teilnehmer des WKA seit dem ersten Tag, wird bei einem Besuch seiner Schwester verhaftet. Am 25.8. tritt er in Büren in den Hungerstreik. Nach einer intensiven öffentlichen Kampagne (u.a. Mahnwache in der Kölner Innenstadt, Demonstration vor und auf dem Kölner Hauptbahnhof) wird er am 29.8. aufgrund einer Eilentscheidung des VG Köln aus der Abschiebehaft entlassen. Pressemitteilung / Fotos

 

26.08.00

Ein Jahr nach der Verleihung des Aachener Friedenspreises an das WKA demonstrieren 200 Flüchtlinge und UnterstützerInnen unter dem Motto "Gefangen in der Unmenschlichkeit – Wir brechen auf!" mit einer Insznierung in der Aachener Innenstadt erneut für Bleiberecht für alle und einen Abschiebestopp in den Folterstaat Türkei. Aufruf

 

22.09.00

Halil Arslan, WKA-Teilnehmer aus Oberhausen wird verhaftet. Am 12.10 wird er nach einer Reihe öffentlicher Aktionen (u.a. Kundgebung vor dem Abschiebegefängnis in Moers, Besetzung des Turkish Airlines-Büros in Oberhausen) aufgrund einer Entscheidung des VG Karlsruhe aus der Abschiebehaft entlassen.

 

27.09.00

Hüseyin Çalhan, einer der prominentesten Sprecher des WKA wird in Aachen verhaftet, als er für die gegen Rassismus gerichtete Aktion "Hallo Mensch" der Aachener Zeitung eine Folkloregruppe am Bahnhof abholt. Trotz sofortiger Intervention diverser PolitikerInnen wird er am nächsten Tag nach Büren in Abschiebehaft gebracht. Am 29.9. demonstrieren in Aachen rund 300 Menschen für seine Freilassung. In den folgenden Tagen und Wochen finden täglich Mahnwachen vor dem Aachener Rathaus statt. Die Stadt Aachen erklärt sich gegegenüber dem Kreis Wesel bereit, dem Mitträger des Aachener Friedenspreises eine Duldung zu gewähren. Das Innenministerium hingegen fordert die Weseler Behörden zur Abschiebung auf, ohne eine Entscheidung des Petitionsausschusses des Landtags abzuwarten. Am 9.10. tritt Hüseyin in einen unbefristeten Hungerstreik. Am 12.10. lehnt das VG Düsseldorf einen Eilantrag seiner Anwältin auf Aussetzung der Abschiebung ab. Am 13.10. stellt ein Facharzt seine Haft- und Reiseunfähigkeit fest. Ein auf gerichtliche Anforderung eingeholtes Gutachten des Paderborner Amtsarztes Dr.Eicker attestiert nach zwei Wochen Hungerstreik Reisefähigkeit.

 

07.10.00

Verhaftung von Mehmet Kilic, Sprecher der Wuppertaler Gruppe des WKA in Bergisch-Gladbach. Am 13.10. stellt ein Facharzt seine Haft- und Reiseunfähigkeit fest. Am 14.10. demonstrieren in Bergisch-Gladbach 120 Menschen gegen seine Abschiebung. Am 16. und 23.10. lehnt das VG Köln einen Eilanträge seiner Anwältin auf Aussetzung der Abschiebung ab. Am 17.10. beginnt Mehmet ein Todesfasten, d.h. einen unbefristeten Hungerstreik unter Einschluss der Verweigerung von Flüssigkeitsaufnahme. In Bergisch-Gladbach kommt es zu mehreren Demonstrationen und Mahnwachen. Am 24.10. wird er nach Istanbul abgeschoben, obwohl ein fachärztliches Gutachten seinen Gesundheitszustand als "präkomatös" bezeichnet.

 

31.10.00

Hüseyin Çalhan wird nach Istanbul abgeschoben, nachdem am Vortag zwei weitere Eilanträge beim VG Düsseldorf gescheitert sind. Noch in der Nacht zuvor hatten mehr als 200 Menschen bis zum Morgengrauen vor dem Abschiebeknast in Büren protestiert, darunter in Erklärungen auch Günter Grass, Dorothee Sölle, Günter Wallraf, H.E.Richter und der Aachener Weihbischof Heinrich Mussinghoff. Mit seiner Abschiebung und der von Mehmet Kilic eine Woche zuvor wird deutlich, dass das NRW-Innenministerium gegen alle menschenrechtlichen Aspekte entschlossen ist, das WKA und die von ihm geschützten Flüchtlinge mit allen Mitteln anzugreifen.

 

21.01.01

3. Jahrestag des Wanderkirchenasyl Artikel

 

 

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